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Freitag, 6. November 2026 News • Menschen • Sport

Wien

Ein Lebenswerk als Fundament

Nach mehr als 27 Jahren an der Spitze des Wiener Pferdesportverbandes ging diese Woche eine Ära zu Ende. Bei der Generalversammlung am 12. Oktober 2026 wurde Vera Schmitz einstimmig zur neuen Präsidentin gewählt. Sie folgt auf ihren Vater Dr. Richard Schmitz, der den Verband seit dem 15. März 1999 geführt und den Pferdesport in der Bundeshauptstadt über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat. Als Anerkennung für sein außergewöhnliches Engagement wurde er einstimmig zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Mehr als ein Vierteljahrhundert stand Dr. Richard Schmitz an der Spitze des Wiener Pferdesportverbandes. Er setzte sich für die Interessen sämtlicher Sparten ein, brachte unterschiedliche Positionen zusammen und hatte dabei immer das große Ganze im Blick. Ob Spitzensport, Nachwuchs oder Breitensport – für ihn zählte vor allem, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen.

„Mein Vater hat den Verband immer mit einem Blick für alle geführt. Ihm war wichtig, dass sämtliche Sparten ihren Platz haben und gemeinsam hinter dem Pferdesport stehen. Er war nie abgehoben, sondern für alle ansprechbar. Und er hat es geschafft, mit seiner ausgleichenden Art trotzdem die Dinge für Wien zu erreichen, die wichtig waren. Das ist etwas, woran ich mich auch in Zukunft orientieren möchte“, erklärt die neue WPS-Präsidentin Vera Schmitz.

Von der Ameiswiese bis zur Global Champions Tour

Besonders eng verbunden bleibt der Name Richard Schmitz mit der Wiener Landessportstätte Ameiswiese. Die Erhaltung und Weiterentwicklung der Anlage mitten in der Bundeshauptstadt war eines seiner wichtigsten Anliegen. Bis heute bietet sie Reiter:innen verschiedener Disziplinen Trainingsmöglichkeiten und ist weit über die Wiener Landesgrenzen hinaus bekannt.

„Wir haben mitten in einer Großstadt eine Landessportstätte, auf der du von der Dressur bis zur Vielseitigkeit praktisch alles machen kannst. Das ist schon etwas Besonderes.

Bei uns trainieren sogar Leute aus anderen Bundesländern. Die Ameiswiese war meinem Vater immer unglaublich wichtig. Und sie zeigt auch, wie er den Sport gesehen hat: Es ging ihm nie nur um die großen Veranstaltungen, sondern genauso um die kleinen Turniere und die Menschen dahinter“, erzählt Schmitz.

Auch bei internationalen Großveranstaltungen war der langjährige Präsident ein wichtiger Unterstützer. Als erstmals die Idee aufkam, die Longines Global Champions Tour nach Wien zu holen, gehörte er zu jenen, die das Vorhaben gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Michael Häupl vorantrieben. Dabei waren die ursprünglichen Pläne, ein internationales Springturnier am Wiener Rathausplatz auszutragen, durchaus ambitioniert. Darüber hinaus engagierte sich Schmitz für Österreichs Auftritt als Partnerland beim traditionsreichen CHIO Aachen und unterstützte unter anderem die Einbindung der Spanischen Hofreitschule.

„Natürlich sind das große Fußstapfen“

Für Vera Schmitz sind die Erfolge ihres Vaters Ansporn und Herausforderung zugleich. Ganz unvorbereitet kommt der Wechsel an der Verbandsspitze allerdings nicht. Schon in den vergangenen Jahren vertrat sie den Präsidenten als Vizepräsidentin immer wieder bei offiziellen Terminen und wuchs Schritt für Schritt in die Aufgaben hinein.

Die neue WPS-Präsidentin bringt zudem reichlich eigene Erfahrung mit. Viele Jahre war sie aktive Dressurreiterin. Nun ist sie seit vielen Jahren als Richterin im Dressur- und Springsport österreichweit im Einsatz und verfügt über ein breites Netzwerk innerhalb und außerhalb des Sports. Diese Kontakte möchte sie künftig verstärkt für den Wiener Pferdesport nutzen.

„Natürlich sind das große Fußstapfen, in die ich trete. Der Verband hat mich, als Vizepräsidentin, schon ein bisschen hineinwachsen lassen, aber mein Vater wird auch weiterhin einer meiner Berater bleiben. Mit niemandem kann ich mich so offen austauschen wie mit ihm. Trotzdem bin ich anders als mein Vater, wahrscheinlich manchmal auch direkter. Ich werde versuchen, meinen eigenen Weg zu finden und es genauso gut zu machen wie er. Das ist ein großes Ziel, aber ich werde es versuchen“, sagt Schmitz.

Dass sie für diese Aufgabe brennt, steht für die neue Präsidentin außer Frage. Seit vielen Jahren ist sie in unterschiedlichen Funktionen im Pferdesport tätig und kennt sowohl die sportliche als auch die organisatorische Seite. Nun möchte sie ihre Erfahrungen einbringen und vor allem dort ansetzen, wo sie den größten Handlungsbedarf sieht.

„Wir müssen als Pferdesport und Pferdemenschen gemeinsam auftreten“

Eine der größten Herausforderungen sieht Vera Schmitz in der öffentlichen Wahrnehmung des Pferdesports. Die Diskussionen rund um das Pferdewohl, der gesellschaftliche Blick auf den Umgang mit Tieren und die Frage, wie der Sport künftig kommuniziert, beschäftigen sie intensiv. Für die neue Präsidentin steht fest: Die Verbände müssen selbst aktiver werden und dürfen die öffentliche Diskussion nicht anderen überlassen.

„Wir müssen aufhören, die einzelnen Sparten oder unterschiedliche Formen der Pferdehaltung gegeneinander auszuspielen. Die meisten Pferdemenschen lieben ihre Pferde und ordnen ihnen einen großen Teil ihres Lebens unter. Trotzdem gibt es immer wieder Pauschalverurteilungen, die niemand verdient hat. Wenn wir unseren Sport auch für die nächste Generation erhalten wollen, müssen wir gemeinsam auftreten. Da darf sich keine Sparte über die andere stellen“, betont Schmitz.

Dabei geht es ihr nicht nur darum, auf Kritik zu reagieren. Der Pferdesport müsse seine fachliche Kompetenz wieder stärker einbringen und selbstbewusst erklären, was verantwortungsvoller Umgang mit Pferden bedeutet. Statt sich ausschließlich mit Vorwürfen auseinanderzusetzen, sollten Verbände und Fachleute selbst Themen setzen und den Dialog mit der Gesellschaft suchen.

„Wir müssen uns den Expertenstatus wieder zurückholen. Wir haben so viele Menschen im Pferdesport, die unglaublich viel Wissen und Erfahrung mitbringen. Aber wir dürfen nicht immer nur reagieren, wenn von außen etwas kommt. Wir müssen selbst aktiv kommunizieren, erklären und zeigen, was wir tun und warum wir es tun. Und das funktioniert nur, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen“, so die neue Präsidentin.

Wien als besondere Herausforderung

Gerade in Wien ist diese Aufgabe besonders anspruchsvoll. Anders als in vielen ländlichen Regionen findet Pferdesport hier unmittelbar im städtischen Umfeld statt. Landwirtschaftliche Strukturen, wie sie in anderen Bundesländern selbstverständlich sind, fehlen weitgehend. Dafür begegnen Reiter:innen täglich Menschen, die mit Pferden und dem Sport wenig oder gar nichts zu tun haben.

Wer in Wien einen Reitstall verlässt, steht oft schon mitten zwischen Spaziergänger:innen, Radfahrer:innen und anderen Freizeitsportler:innen. Der Pferdesport ist dadurch sichtbarer, aber auch stärker mit unterschiedlichen Erwartungen und kritischen Fragen konfrontiert.

„In Wien stehen wir mit unserem Sport auf dem Präsentierteller. Wenn du bei einer Reitanlage vor die Tür gehst, bist du oft schon mitten unter Spaziergängern oder anderen Freizeitsportler:innen. Wir sind dem Nichtreiter dadurch viel näher als in manchen ländlichen Regionen. Das macht es nicht immer einfacher, aber genau deshalb müssen wir erklären, was wir tun, und den Menschen unseren Sport näherbringen“, sagt Schmitz.

Dabei möchte sie auch jene Werte stärker hervorheben, die der Umgang mit Pferden gerade jungen Menschen vermitteln kann. Verantwortung, Einfühlungsvermögen und gegenseitiges Vertrauen seien Eigenschaften, die weit über den Sport hinaus Bedeutung haben. „Der Umgang mit Tieren, gerade mit so sensiblen Lebewesen wie Pferden, ist für junge Menschen unglaublich wertvoll. Du kannst ein Pferd nicht einfach zur Mitarbeit zwingen. Das funktioniert nur miteinander. Ein wirklich guter Reiter arbeitet immer mit dem Pferd und nicht gegen das Pferd. Und genau dieses Miteinander nehmen die Menschen auch in andere Bereiche ihres Lebens mit. Davon bin ich überzeugt.“