Vor einem Jahr platzte ihr EM-Traum nur wenige Tage vor dem Saisonhöhepunkt, 2026 kehrte die Wienerin Nele Cordt auf die große internationale Bühne zurück – und wie: Bei den Europameisterschaften der Children in Olomouc (CZE) ritt die 13-Jährige mit Fauntleroy auf die Plätze sechs und acht. Zwei Top-Platzierungen, die eine bislang außergewöhnliche Saison krönen und Lust auf mehr machen.
Manchmal liegen Enttäuschung und Erfolg im Sport besonders nahe beieinander. Nele Cordt erlebte das in den vergangenen zwölf Monaten eindrucksvoll. 2025 musste die junge Wienerin nur sieben Tage vor der Europameisterschaft ihren geplanten Start zurückziehen, weil ihr Pferd nicht „fit to compete“ war. Eine schwierige Entscheidung, aber für Cordt alternativlos: Das Wohl des Pferdes hatte Vorrang.
Ein Jahr später durfte sie den EM-Moment dafür umso intensiver genießen. In der Einzelwertung überzeugten Cordt und der 14-jährige Bayern-Wallach Fauntleroy Mitte Juli in Olomouc von Beginn an. Bereits im Einlaufbewerb, der Children Preliminary B, gelang den beiden mit starken 77,322 Prozent und Rang sechs ein Ausrufezeichen. Im Children-Einzelfinale bestätigten sie ihre Leistung und erreichten mit der achthöchsten Wertung (75,067 %)erneut eine Top-Platzierung.
„Ich hätte wirklich nicht glücklicher sein können. Ich habe von einem Ohr bis zum anderen gestrahlt. Zweimal bei einer Europameisterschaft platziert zu sein, bedeutet mir unglaublich viel – gerade nach dem vergangenen Jahr. Wenn man sieht, wie schwierig es überhaupt ist, bei einer EM ins Finale zu kommen, ist das für mich ein unbeschreibliches Erlebnis“, erzählt Cordt.

Aus Enttäuschung wird eine Traumsaison
Dass die Wienerin 2026 auf Europas großer Nachwuchsbühne ganz vorne mitreiten würde, war keineswegs selbstverständlich. Erst seit Anfang Dezember bildet das große Dressur-Talent und Fauntleroy ein Team. In wenigen Monaten entwickelte sich zwischen den beiden eine Partnerschaft, die auch international schnell Früchte trug. „Wir haben uns gemeinsam unglaublich weiterentwickelt und ich habe sehr viel von ihm gelernt. Reiten wird oft als Einzelsport bezeichnet, aber für mich sind wir ein Team. Man arbeitet mit seinem Pferd und nicht gegen sein Pferd. Ich bin sehr dankbar, dass es zwischen uns beiden so gut passt“, sagt die 13-Jährige.
Wie gut, zeigt die Bilanz der vergangenen Monate. Bei neun internationalen Starts gelangen
Cordt und Fauntleroy sechs Siege. Schon bei der EM-Sichtung in Ebreichsdorf überraschte das Duo mit hohen Wertnoten und nahezu fehlerfreien Runden. Auch beim CDI Achleiten I bestätigte die Wienerin unmittelbar vor der Europameisterschaft ihre starke Form und verbesserte noch einmal ihre persönliche Bestleistung. „Achleiten war für uns ein sehr wichtiges Turnier. Wir konnten noch einmal sehen, wo wir stehen und woran wir bis zur Europameisterschaft arbeiten können. Dass wir dort sogar unser Personal Best verbessern konnten, war unglaublich und hat mir ein sehr gutes Gefühl für die EM gegeben.“
Hinter der Entwicklung steckt viel Detailarbeit. Gemeinsam mit ihrer langjährigen Trainerin Lisa-Maria Pfuisi arbeitet Cordt nicht nur an Lektionen und technischen Feinheiten, sondern intensiv am Sitz, am Gesamtbild und an der Harmonie zwischen Pferd und Reiterin. Pfuisi begleitet die Wienerin praktisch seit Beginn ihrer sportlichen Laufbahn. „Lisa trainiert mich eigentlich seit Tag eins. Jedes Pferd, das wir hatten, und jeden Schritt meiner sportlichen Karriere haben wir gemeinsam mit ihr gemacht. Sie hat mir unglaublich viel beigebracht. Ich bin sehr glücklich, eine so tolle und unterstützende Trainerin zu haben.“

Cordts Weg in den Pferdesport begann zunächst spielerisch. Im Urlaub saß sie immer wieder auf Pferden, später folgten die ersten regelmäßigen Reitstunden. Über ein Schulpony, mit dem sie Reiterpass, Reiternadel und ihre ersten Lizenzprüfungen absolvierte, führte der Weg schließlich in den internationalen Nachwuchssport. 2024 nahm sie bereits an der Pony-Europameisterschaft in Belgien teil und wurde Österreichische Meisterin bei den Ponys.
Seit 2026 gehört die Wienerin auch dem OEPS Talente Team an.
Viel Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben
Die beiden Top-8-Platzierungen von Olomouc sind für Cordt nicht nur das bisherige Highlight ihrer Saison. Sie geben ihr auch zusätzliches Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben. Mit der Staatsmeisterschaft wartet bereits das nächste große Ziel. „Die Europameisterschaft hat mir noch einmal sehr viel Selbstbewusstsein und Motivation gegeben. Jetzt wollen wir bei der Staatsmeisterschaft wieder unser Bestes geben. Ich bin einfach unfassbar stolz auf das, was wir in dieser Saison bisher erreicht haben.“
Wie es danach weitergeht, lässt Cordt bewusst offen. Fauntleroy steht ihr noch ein weiteres Jahr zur Verfügung, erste Schritte in Richtung Junioren sind daher durchaus ein Thema. Auch ein Start bei den Young Stars in Aachen wäre für die Wienerin ein kleiner Traum. Vorerst darf sie aber genießen, was ihr in Olomouc gelungen ist: Nach der bitteren Absage im vergangenen Jahr kehrte Nele Cordt nicht nur zur Europameisterschaft zurück – sie etablierte sich mit zwei Top-8-Platzierungen auf Anhieb mitten in Europas Spitze.
