Snowboard auf Sand, Lipizzaner statt Lift: Ski-Austria-Athlet Arvid Auner hat im Lipizzanergestüt Piber ein außergewöhnliches Experiment gewagt. Der 29-jährige Steirer ließ sich auf dem Reitplatz hinter einem Marathonwagen über den Sand ziehen – inklusive Slalom und kleinem Sprung. Entstanden ist eine ungewöhnliche Verbindung zweier Sportwelten, die für Auner auch persönlich bestens zusammenpassen.
Die Idee kam dem Snowboarder bereits im Sommer. Skijöring, bei dem sich Wintersportler von Pferden ziehen lassen, hatte Auner immer wieder gesehen. Irgendwann stellte sich ihm die Frage: Warum sollte das nicht auch ohne Schnee funktionieren? „Ich wollte einfach etwas Neues ausprobieren. Dann ist mir der Sandplatz eingefallen und ich habe mir gedacht: Eigentlich müsste das dort genauso gehen“, erzählt Auner.
Dass aus der Idee schließlich Realität wurde, lag auch an einer besonderen Verbindung. Auner startet für den Snowboardclub Lipizzanerteam und trägt damit die Heimat der berühmten weißen Pferde schon im Vereinsnamen. Genau dort liegen auch seine sportlichen Wurzeln: Beim Lipizzanerteam stand Auner erstmals auf dem Snowboard und machte seine ersten Schritte in jenem Verein, für den er bis heute an den Start geht. Entsprechend wichtig ist es ihm, auch etwas zurückzugeben und den Nachwuchs für den Snowboardsport zu begeistern. Das außergewöhnliche Projekt in Piber und die dabei entstandenen Bilder sollen dazu ebenfalls einen Beitrag leisten.
Das Lipizzanergestüt Piber war deshalb weit mehr als nur eine passende Kulisse. „Für mich hat das perfekt zusammengepasst. Unser Verein trägt die Lipizzaner-Heimat in sich und im Gestüt waren von Beginn an alle offen für die Idee. Dort gibt es nicht nur die perfekten Voraussetzungen, sondern auch Menschen, die Lust darauf haben, Tradition einmal auf eine neue Art zu zeigen“, berichtet der Steirer.
Vom Einfall zum ungewöhnlichen „Ride“
Gestütsleiter Erwin Movia war von der Anfrage schnell angetan. Gemeinsam mit dem Team vor Ort wurde überlegt, wie sich das Projekt sicher und pferdegerecht umsetzen lässt. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch Franz Krugfahrt, der sich um die technischen Details kümmerte, eine Rampe baute und gemeinsam mit Auner an der Umsetzung tüftelte. Wegen der sommerlichen Hitze wurde der Zeitplan kurzfristig angepasst und die Action auf dem Reitplatz in die kühleren Vormittagsstunden verlegt.
Einen entscheidenden Unterschied zum klassischen Skijöring gab es: Auner war zu keinem Zeitpunkt direkt mit dem Pferd Pluto Wanda verbunden. Stattdessen wurde ein Wagen verwendet, wie er auch bei Marathonbewerben im Fahrsport zum Einsatz kommt. Claudia Jungmann (Fahrerin) und Lena Druckeschitz (Beifahrerin) lenkten das Gespann, Auner hielt sich mit einem Seil am Wagen und ließ sich auf seinem Snowboard über den aufgelockerten Sand ziehen.
Und schon nach den ersten Metern wurde klar, dass die Lipizzaner ordentlich Zug entwickeln können. „Ich war überrascht, wie schnell ich ins Fahren gekommen bin. Ich dachte, dass der Sand viel mehr Reibung erzeugt. Aber dann spürt man diese unglaubliche Urkraft der Pferde“, erzählt Auner. Und mit einem Augenzwinkern zieht er die Verbindung zu seinem Snowboardclub: „Jetzt weiß ich auch, warum wir Lipizzanerteam heißen – diese Urkraft wollen wir schließlich auch aufs Brett bringen.“
Slalom, Sprung und jede Menge Respekt
Gemütlich über den Reitplatz ging es jedenfalls nicht. Das Gespann führte den Snowboarder durch einen Slalom und schließlich sogar über eine eigens gebaute kleine Schanze. Rekordverdächtig sei der Sprung zwar nicht gewesen, sagt Auner lachend, für die Premiere habe es aber gereicht.
Das Fahrgefühl hatte mit einer präparierten Skipiste nur wenig gemeinsam. Auf dem Sand driftete das Board deutlich stärker, gleichzeitig musste sich Auner auf Tempo und Linie des Gespanns einstellen. Gerade dieser Unterschied machte für ihn den Reiz aus.
Mindestens ebenso beeindruckt wie vom ungewöhnlichen Snowboard-Erlebnis zeigte sich Auner vom Alltag im Gestüt. „Zu sehen, wie dort Tradition gelebt wird und wie mit den Pferden gearbeitet wird, war für mich extrem beeindruckend. Ich habe höchste Achtung vor dieser Arbeit, der Aufopferung und der Motivation, die jeden Tag für die Pferde aufgebracht wird.“
Aus einem verrückten Einfall wurde damit weit mehr als ein spektakulärer Videodreh. Für Auner ist das Projekt auch eine Möglichkeit, zwei Welten zusammenzubringen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben – und bei genauerem Hinsehen doch einiges verbindet: Kraft, Geschwindigkeit, Vertrauen und eine gehörige Portion Leidenschaft.






